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Fankultur im Jahnstadion

Zu DDR-Zeiten war die Heimstätte der BSG Aktivist Schwarze Pumpe, das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, eine Bastion. Durch den Umzug der Sektion Fußball von Spreetal nach Hoyerswerda im Jahre 1960 kam der Verein zu seinen Arbeitern und Fans. Was sollten die hart arbeitenden, zumeist jungen Leute, die aus der gesamten DDR in den neu geschaffene Wohnstadt gezogen waren denn sonst machen? Die schnelle Schaffung von Wohnraum hatte Vorrang. Da kam dieser frisch aufspielende, heißspornig vorgetragene Fußball hervorragend an. Die Kiste war oft rappelvoll und bereits wenige Jahre nach dem Umzug sollte ein jeder Gegner mit Ehrfurcht und Angst anreisen. Hier wurden wahre Fußballschlachten geführt (1970 gegen Vorwärts Stralsund, Wismut Aue, 1984 Union Berlin und FC Magdeburg). Regelmäßig lieferten die Favoriten ihre Punkte in Hoyerswerda ab. Warum aber war Aktivist gerade zu Hause so stark?

Es waren die Fans, die Pumpe stets frenetisch nach vorn peitschten. Sogar in der Altstadt konnte man den tosenden Lärm der Masse hören. Die ganze Stadt stand hinter ihrem Verein. Die Schlachtenbummler feuerten ihre "Blau-Gelb Schwarze Pumpe" an, intonierten teils komplizierte Liedgut. Dazu vielleicht in einem späteren Update mehr.

Nach der Wende verringerten sich die Zuschauerzahlen rapide, dennoch lockte der NOFV-Oberligist regelmäßig über tausend zahlende Anhänger. Durch die Umbenennung waren aber die alten Schlachtrufe schnell vergessen, es wurde langsam still im altehrwürdigen Jahnstadion. Mitte der Neunziger Jahre mutierte die "Stimmung" zum (ohne unsere Rentnerinnen und Rentner beleidigen zu wollen) Seniorenheim. Nur, wenn der Schiedsrichter klare Fehlentscheidung zu Gunsten der Gastmannschaft fällte, dann flackerte die alte gereizte Stimmung wieder auf. Da war dann wieder Leben in der Bude, mutierten die Zuschauer zu glühenden Anhängern. Da war sie wieder die gefürchtete Pumpe-Stimmung. Und regelmäßig drehte der FSV dann seine Spiele.

Gegen TeBe war die Bude das erste mal richtig voll seit den 80-ernMit der steigenden spielerischen Qualität ab 1998 kehrten einige der früheren Stammzuschauer wieder zurück. Die Stimmung besserte sich von Mal zu Mal. Laute Tröten, Gasdruckfanfaren und Trommeln peitschten, begleitet von Schlachtrufen unser Team zu Spitzenspielen voran. Die erste Relegationsrunde gegen die "Amateure" von TeBe lockten erstmals wieder die Massen ins weite Rund. Darunter litt zwar die Stimmung und so mancher Stammtbesucher musste seinen alteingesessenen Platz einem der Erfolgsfans überlassen. Am schlimmsten aber litt die Stimmung darunter, dass plötzlich alle meinten, sich auf den Stehtraversen hinsetzen (?) zu müssen - die gefürchtete Hexenkesselatmosphäre war im Eimer! Und HoyWoy blieb Viertklassig. Doch bereits in der nächsten Saison rollte der FSV wieder die gesamte Liga auf, dennoch blieben die Zuschauer aus, der jahrelange Schnitt von etwa 300 wurde, bis auf die letzten Heimspiele konstant gehalten. Aber an der Einstellung hatte sich einiges geändert: Teilweise brandete Szenenapplaus auf, Tore wurden wieder frenetisch gefeiert und auch auswärts reisten wieder mehr als nur eine Hand voll Unentwegter mit, oft um die 20 Mann. HoyWoy stand als Meister fest und in der nächsten Relegationsrunde feierten knapp 5.000 Zuschauer ihr Team. Es sollte nicht zu einem Sieg reichen, trotzdem reisten etwa 200 Fans mit nach Schönberg und machten dort Stimmung wie zu Hause, da wurden sogar die Schönberger Fans neidisch! Trotzdem verlor der FSV!

In der nachfolgenden Saison kamen nun 6 namhafte Gegner aus der Regionalliga zu uns. Ein gut gefülltes Stadion war fast immer garantiert. Allein gegen Dynamo kamen über 3.000, die allerdings auch ordentliche Schäden am Stadion und in der Stadt hinterließen. Der FSV landete als "Best of the Rest", wurde Siebenter nach allen Regionalligaabsteigern.

Die HoyWoy-UltrasDoch dann musste gespart werden und der Verlust der spielerischen Konstanz ging einher mit einem Verlust an Fans. Zwar hatten sich in der Saison 2001/02 die sogenannten HoyWoy-Ultras neu gegründet und auch die altehrwürdigen Lausitzer Füchse (immerhin schon seit 1983 erster offizieller Fanclub) machten wieder verstärkt Stimmung. Dennoch konnte dieses doch recht kleine "Häuflein" nicht verhindern, dass sich immer weniger Zuschauer im Jahnrund einfanden. Um die Jahreswende 2002 waren dann auch die "Black Devils" im Stadion anzutreffen, eine etwa 20-köpfige Truppe junger Supporter. Auffällig waren die einheitlichen gedruckten "Clan-Shirts". Auch hielt sich ihre Unterstützung oft nicht im Rahmen dessen, was erlaubt war. So wurde öfter mal der eine oder andere Racherzeuger gezündet (das kam im neuen "Millenium" gerade so in Mode, weils in den südlichen Ländern doch immer so toll aussieht ;-) ) und landete allzuoft im Innenraum genauso wie andere Feuerwerkskörper die gezielt die Unparteiischen einschüchtern sollten. Auch waren nun die über die Jahre immer seltener gewordenen Rangeleien mit anderen Fans und der (un-)geliebten Ordnungsmacht wieder präsent. Aber die Jungs unterstützen "ihr" Team auch auswärts. Das letze Heimspiel gegen Dynamo Dresden hatte es dann in sich. Für die Dresdner ging es um die Qualifikation zur Aufstiegsrelegation. Der mittlerweile finanziell klamme FSV wollteDer FSV-Fanblock in Hütte noch einmal den großen Reibach machen, verkaufte 5.000 Karten für jeweils satte 10,00 EUR! Alles war geplant und schon vorbereitet, als plötzlich die Stadt Hoyerswerda auf die Einhaltung der festgelegten regelmäßigen Höchstzuschauerzahl pochte, von der Vereinbarung, in diesem wichtigen Spiel doch 5.000 hereinzulassen, wollte plötzlich keiner mehr etwas wissen. Nach diversen juristischen aber auch politischen Ränkespielen, nach Mord- und Bombendrohungen durch Dynamo-Fans, die meinten, sie hätten ein Recht auf eine Eintrittskarte, wurde dann das Spiel ins 140 km entfernte Eisenhüttenstädter "Bruchbuden"-Stadion der Hüttenwerker verlegt. 6.000 Dynamofans konnten einen knappen Sieg und damit den Einzug in die Relegation feiern. Von den über 1.000 an FSV-Fans verkauften Karten wurden hunderte zurück gegeben. Nur etwa 220 Fans wurden von 4 kostenfreien Shuttle-Bussen nach Hütte chauffiert und versuchten stimmungsmäßig dagegen zu halten, das bleib aber nur auf einige Rauch"bomben" und Feuerwerk in Richtung des Spielfeldes beschränkt, sowie eine kleinere Zettelchoreografie und ein allen noch im Gedächtnis haftenden Transparent "Nie wieder Auswärtsheimspiele!" beschränkt.

Die neue Saison brachte weitere harte finanzielle Einschnitte mit sich und auch das Jahnstadion sah selten mehr als 200 Zuschauer, nur noch einmal im Pokalspiel gegen Aue waren über 1.000 da. Die obligatorische Rangelei nach Spielende und diverse Anfeindungen selbstverständlich inbegriffen. Der umbenannte FC lausitz verlor und schied aus. Und auch in der Liga sah es bescheiden aus, der Abstieg war nicht vermeidbar und die "Black Devils" brachten ihren Frust und ihre Enttäuschung darüber öfter durch diverse Aktionen zum Ausruck. In dieser Zeit schlossen sich die HoyWoy-Ultras auch den Black Devils an, die immer öfter auch mit den Lausitzer Füchsen gemeinsam Support machten und sich zusammen in einen Block nahe des Haupteingangs und des "Spielertunnels" platzierten.

Im letzten Heimspiel gegen Markkleeberg machten sich die Fans Luft!Nach dem Abstieg hofften alle Fans auf den direkten Wiederaufstieg und nahmen die Sachsenliga, ebenso wie unser Verein selbt nicht ernst. Dennoch machten vor allem die "Black Devils" von sich reden. Bereits zum ersten Heimspiel sorgten sie mit einer Begaloaktion VOR Spielbeginn für eine gute Einstimmung und demonstrierten, dass es nicht immer nur ein Gegeneinander mit unserem Verein geben kann. Wichtiger war, dass die meisten "Aktionen" nun VOR oder NACH dem Spiel oder eben doch in Auswärtsspielen wie Görlitz und Eilenburg stattfanden. Somit musste unser Verein nicht, wie in den Spielzeiten zuvor oft geschehen, erneut harte Strafen seitens des Verbandes zahlen. Erst im letzten Heimspiel gegen Markkleeberg machten sie ihrem Ärger während des Spieles Luft, fackelten eine größere Rauchbombe ab, deren Rauch das Spielfeld zeitweise vernebelte. Die Saison ist gelaufen.

Wie es mit der Entwicklung der Hoyerswerdaer Fanszene weitergeht ist zur Zeit nicht absehbar. Vielleicht nutzt der Verein den Abstieg als Möglichkeit, wieder enger mit seinen Anhänger zusammenzurücken.